KEVIN COSTNERS ROCK DREAMS

Nach Bruce Willis und Billy Bob Thornton ist Kevin Costner der nächste Hollywood-Star, der sich den Rock-Traum erfüllt und mit seiner Band Modern West das Album „Turn It On“ aufnahm. Gottfried Distl geht diesem Phänomen auf den Grund.

Im Film Field of Dreams spielte Kevin Costner den Farmer Ray Kinsella, der im amerikanischen Bundesstaat Iowa fleißig sein Feld bestellt. Doch eines Tages hat er einen Traum, mäht daraufhin zum Entsetzen seiner Frau sein Kornfeld nieder, und beginnt stattdessen auf diesem Platz ein Baseball-Feld zu errichten. Er weiß selbst nicht, warum er das tut, doch am Ende wird er belohnt, als plötzlich auf seinem „Field of Dreams“ die toten Baseball-Legenden ein „Game“ spielen.
Dieses Film-Märchen scheint sich jetzt in Kevin Costners Leben geschlichen zu haben, denn statt wie bisher weiter brav Hollywood-Filme zu drehen, vernachlässigt er plötzlich seinen Schauspielerberuf, um sich seinen ganz persönlichen Traum zu erfüllen: Rockmusiker werden, eine Band gründen, Platten aufnehmen und auf Tournee gehen. Es ist, als wäre der 1955 geborene Kevin Costner wieder zehn Jahre alt, würde das erste Mal die Beatles im amerikanischen Fernsehen sehen und daraufhin – wie viele US-Teenager damals – eine Gitarre kaufen, mit Freunden eine Band gründen und in der Garage der Eltern wilden Rock & Roll spielen.
„Als Kind hatte ich klassischen Klavierunterricht“, erzählt Costner. „Aber dann bin ich als Teenager in den Sixties aufgewachsen und natürlich hat mich der Rock & Roll von damals geprägt wie alle anderen. Musik hat mich immer glücklich gemacht, aber ich habe erst vor fünf Jahren angefangen, Gitarre zu spielen.“
Vor fünf Jahren, im fünfzigsten Lebensjahr also, haben den inzwischen 55-jährigen Hollywood-Star die Rock-Träume der Kindheit wieder eingeholt. Und seine Frau Christine verhielt sich wie seine von Amy Madigan im Film Field of Dreams dargestellte Farmersfrau Annie, die anfangs zwar etwas ratlos war, ihn dann aber trotzdem dabei unterstützte, damit er sich seinen Traum erfüllen konnte.
„Es war meine Frau Christine, die mich ermutigte, meinen alten Freund, den Musiker John Coinman anzurufen“, sagt Costner. „Und der trommelte die restlichen Musiker zusammen.“
Der Gitarrist John Coinman aus Tucson kontaktierte als erstes Blair Forward, einen Bassisten, der früher schon einmal mit Costner in einer Band gespielt hatte. Dazu stießen als Lead-Gitarrist und Producer Teddy Morgan aus Nashville, der Sänger und Gitarrist Park Chisolm aus Nashville und als Schlagzeuger Larry Cobb aus Tuscon. Und Costner beschloss, mit seiner Band eigene Songs zu schreiben. Blieb nur noch die Frage, wie die Band heißen sollte.
„Das war das Schwierigste, einen Namen für eine Band zu finden“, sagt Costner. „Denn die besten Bandnamen sind schon vergeben.“
„Modern West“ schien schließlich eine gute Idee zu sein, im Unterschied zu „Old West“, denn – so Costner: „Was soll’s, schließlich mache ich Cowboy Movies!“
Er selbst, so Costner, hätte die Band am liebsten nur „Modern West“ genannt, aber seine Musiker bestanden darauf, dass er seine Hollywood-Reputation einbringt, daher: „Kevin Costner & Modern West“. Alles andere, so meinten die Band-Kumpels, wäre „lächerlich gewesen“.
Kevin Costner meint, Musik zu machen, eine Band zu gründen, ein Album herauszubringen und auch noch auf Tournee zu gehen, das sei im Hinblick auf seine Hollywood-Karriere keine gute Idee gewesen. Wenn er seine Popularität als Filmstar hätte fördern wollen, dann wäre es besser gewesen, die fünfte Fortsetzung seines Kinohits Der mit dem Wolf tanzt oder Open Range 3 zu drehen. Doch das interessiere ihn nicht, lieber setze er sich der Gefahr aus, vom Publikum oder von der Presse verrissen zu werden.
„Film besteht aus Bildern, ist Image und Illusion, ein Konzert zu geben, auf der Bühne zu stehen und Auge in Auge mit dem Publikum Musik zu machen, das ist Wirklichkeit, die Realität“, sagt Costner. „Ich habe eine über zwanzigjährige Filmgeschichte hinter mir und weiß schon, dass viele Menschen nur zu meinen Konzerten kommen, weil sie mich aus meinen Filmen kennen. Und jetzt wollen sie sehen, was wirklich dran ist an diesem Hollywood-Schauspieler Kevin Costner und ob er sich vielleicht blamiert. Männer sind besonders skeptisch, meist werden sie von ihren Frauen oder Freundinnen zu meinen Konzerten geschleppt und ich sehe sie, wie sie breitbeinig mit verschränkten Armen abwehrend im Publikum sitzen, bis sie merken, dass ich Lieder für Männer singe, nicht für Frauen. Ich bin ein Mann und singe über meine Erfahrungen, darüber, dass Frauen ein Rätsel sein können, einerseits wunderbar, andererseits aber auch sehr mühsam, und dass man sich als Mann mitunter sehr schwer tut, richtig mit ihnen umzugehen. Und dann sind wir „connected“, miteinander verbunden, und es entsteht dieses Gemeinschaftsgefühl, das es nur bei Live-Konzerten geben kann und wie es bei Filmen nie möglich ist. Deshalb ziehe ich momentan die Musik dem Filmemachen vor.“
GOTTFRIED DISTL


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