KLAUS KINSKIS IRRE JESUS PREDIGT

JESUS CHRISTUS ERLÖSER, Klaus Kinskis irre Jesus-Predigt, ist jetzt auf DVD erschienen. Schade, dass wir heute keine so irren Schauspieler-Persönlichkeiten mehr haben.
DVDCoverKinskiJesus
Wer heutzutage Interviews mit Schauspielern macht, hört immer die gleichen aalglatten pseudoprofessionellen Antworten auf die Fragen: Wie toll das Drehbuch schon beim Lesen war und wie schön es war, mit all den netten Kollegen am Film zu arbeiten usw. Klaus Kinski war da anders. Auf die Frage, ob ihm das Drehbuch so gut gefiel, dass er diesen oder jenen Film drehte, brüllte er nur: „Was? Ich lese nie ein Drehbuch!“ Und in diesem Stil ging das Interview weiter voller Überraschungen, denn er wusste: Ihr Medienleute braucht Futter und ich stopfe es euch in die Fresse bis ihr kotzt!
Am 20. November 1971 sorgte Kinski für einen ganz besonderen Skandal, als er in der Berliner Deutschlandhalle mit seinem Programm JESUS CHRISTUS ERLÖSER auftrat. Er hatte sich inspiriert vom damaligen Zeitgeist lange Haare wachsen lassen und beschloss, die Jesus-Figur so revolutionär zu interpretieren, wie das die rebellische Jugend gegen Ende der 1960er Jahre tat. Lange Haare provozierten die auf Kurzhaarschnitt geprägte Eltern-Generation und die Kids beriefen sich auf den langhaarigen Jesus, wie das in einem Song aus dem Musical Hair aus dem Jahr 1968 verewigt ist. Es wurde damals auch Mode, Jesus als revolutionären Kämpfer für die Armen und Entrechteten gegen die Reichen und Mächtigen zu interpretieren. Und genau das tat auch Kinski bei seinem Auftritt am 20. November 1971 in Berlin. Charismatisch, arrogant, größenwahnsinnig trat er dem Publikum gegenüber und schrie seine religiösen Provokationen ins Mikrofon. Doch die vom rebellischen Zeitgeist der 1968er-Studenten gelockerten Zuschauer wollten sich Kinskis Jesus-Predigt nicht gefallen lassen. Jemand schrie: „Der hat doch mit seinen Filmen Millionen verdient“, als der durch die Wallace-Kriminalfilme und Italo-Western der 1960er Jahre zum Superstar aufgestiegene Kinski über Hunger und Armut philosophierte. Ein junger Mann stürmte die Bühne und rief ins Mikrofon: „Jesus war demütig“ – und meinte damit: Im Gegensatz zum größenwahnsinnigen Klaus Kinski. Darauf schrie Kinski: „Jesus war nicht demütig, er hat die Peitsche genommen und sie dir in die Fresse gehauen!“
Als ein Saalordner einen Zuschauer wegstieß, der die Bühne stürmte, brach der Tumult los und jemand schrie: „Kinski ist ein Faschist!“
Dabei wollte Klaus Kinski Superstar den Menschen nur auf seine Art den Revolutionär Jesus Christus nahe bringen. Doch die kleinen Leute im Publikum, die keine reichen Filmstars waren, glaubten ihm nicht und am Ende konnte der verzweifelte Kinski nur noch brüllen: „Was weißt du von Gott, du blöde Sau?“
GOTTFRIED DISTL


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