WHO THE HELL IS OSS117
Oliver Kalkofe (im Bild mit Gottfried Distl) entdeckt mit dem französischen James Bond OSS 117 eine politisch ziemlich unkorrekte Agenten-Parodie.

Sein Name ist nicht Bond, James Bond alias 007, sondern Hubert Bonisseur de la Bath alias OSS 117 – und er ist drei Jahre älter als Bond. Der britische Geheimagent seiner Majestät wurde erst im Jahr 1952 von Ian Fleming erfunden, Hubert Bonisseur de la Bath dagegen erblickte bereits 1949 das Licht der Welt: erfunden vom französischen Schriftsteller Jean Bruce. Und während der erste James Bond-Film erst anno 1962 ins Kino kam, erlebte sein französisches Pendant schon 1956 sein erstes Kino-Abenteuer. „Männer, Frauen und Gefahren“ hieß diese erste Verfilmung eines OSS-Romans von Jean Bruce. Glamourös wie die Bond-Filme, räumte Ivan Desny als Geheimagent OSS 117 an der Cote d’Azur auf und das rororo-Film-Lexikon lobt: „Ein mit Routine spannend gemachter und wirkungsvoll verpackter Spionagekrimi.“
Als in den 1960er Jahren die Bond-Film-Welle losbrach, machte der französische Gegenspieler OSS 117 als ein ebensolcher Mann von Welt und Frauenheld dem Briten Konkurrenz. Nicht im Auftrag seiner Majestät, sondern im Dienst des französischen Präsidenten René Coty, der während des Kalten Krieges von 1954 bis 1959 regierte. Wie Bond kämpfte OSS 117 gegen Bösewichte aus dem Osten, die über Superwaffen verfügen. 1963 im Film OSS 117 greift ein, 1964 im Film Heiße Hölle Bangkok, 1965 im Film Pulverfass Bahia und 1966 im Film OSS 117 – Teufelstanz in Tokio.
2006 entstand in Frankreich eine Parodie auf die ohnehin nie ganz ernst gemeint gewesenen OSS 117-Filme im Stil der Krimi-Streifen aus den 1960er Jahren, in der der von Jean Dujardin gespielte Hubert Bonisseur de la Bath als Geheimagent im Ägypten der 1950er Jahre Kairo unsicher macht nach dem Motto: „Fiese Spione, anmutige Schönheiten und jede Menge Fettnäpfchen erwarten Sie“. Und Oliver Kalkofe, der sich als Chief Inspector Even Longer in seinen Edgar Wallace-Parodien Der Wixxer und Neues vom Wixxer als Detektiv- und Sixties-Thriller-Verarscher profilierte, übersetzte und spricht die Rolle des OSS 117 für die deutschsprachige DVD-Ausgabe, die jetzt erschienen ist – auch als 2-Disc Collector’s Edition. Wobei Oliver Kalkofe Mut beweist und man darf ihm nur wünschen, dass er nicht wie die Mohammed-Karikaturisten in die Schusslinie radikaler Moslems gerät. Denn die Art, wie der politisch ziemlich unkorrekte Agent OSS 117 Kairo aufmischt, könnte gefährlich werden. So sagt er jedem Ägypter, ob der es hören will oder nicht, dass diese „Beterei allerorten“ dämlich ist, der Islam bald aus der Mode kommen wird und schließlich schlägt er gar noch einen Muezzin nieder, weil der ihn mit seinem Gesang morgens beim Schlafen stört. Darüber hinaus zieht er eine Mohammedanerin bis auf die Unterwäsche aus, weil er in ihr nur ein Sex-Objekt sieht und erklärt einem ägyptischen Regierungsvertreter, dass Ägypten vom Suezkanal angefangen jeden Fortschritt Frankreich oder England verdankt. In den Pyramiden sieht er nur zu spitz geratene, sinnlose Bauwerke, in denen er dann aber immerhin Altnazis (denen er 1945 schon die V2-Pläne klaute) einkerkert. Die Lieblingsbeschäftigung dieses selbstverliebten, chauvinistischen Agenten, der sich für unwiderstehlich und superintelligent hält, es aber offenbar nicht ist, besteht übrigens darin, in einer Hühnerbatterie das Licht auf und ab zu drehen, weil er damit das Gackern der Hühner nach Belieben ein- und ausschalten kann, darüber kann sich OSS 117 endlos amüsieren, nur wenn ihn jemand für schwul hält, vergeht ihm das Lachen. Dann greift er sich vor Augenzeugen die nächstbeste Schöne, um zu demonstrieren, dass er nur Frauen küsst. Die nächste Mission soll den „Spion, der sich liebte“ übrigens in den Iran führen. Das kann ja erst heiter werden.
GOTTFRIED DISTL
Über diesen Eintrag
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- Veröffentlicht:
- September 27, 2009 / 10:04 vormittags
- Kategorie:
- Film & Kino
- Schlagwörter:
- Frankreichs James Bond, Gottfried Distl, Oliver Kalkofe, OSS 117
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